Projektbericht
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Der Verein Skillshare e.V. hat vom 4. bis 6. Juni 2010 die Open-Space-Konferenz Skillshare 2010 in Lüneburg durchgeführt. An dieser Konferenz nahmen ca. 200 Autoren und Fotografen verschiedener Projekte rund um das Freie Wissen (z.B. Wikipedia und OpenStreetMap) sowie Bürger Lüneburgs teil. Die Teilnehmer und Dozenten der Konferenz kamen neben allen Teilen Deutschlands aus den Niederlanden, Großbritannien, der Schweiz und Österreich. In 36 Workshops und einer Vielzahl von Rahmenveranstaltungen, wie Fotorallye durch die Hansestadt Lüneburg, ein Foto-Spezial über die Region Lüneburg sowie einer hochkarätig besetzten Podiumsdiskussion wurde auf der Konferenz ein Raum für den Austausch, das Lernen und Weitergeben von Fähigkeiten geschaffen, die im Rahmen der Arbeit im Zusammenhang mit dem Sammeln, der Erstellung und Verbreiten Freien Wissens notwendig sind. Freies Wissen (engl. open content) umfasst Texte, Fotos und andere Medien, welche unter eine sog. Freie Lizenz gestellt sind, die eine unentgeltliche Weiternutzung dieser Inhalte in anderen Kontexten urheberrechtlich ermöglicht. Dies soll zu einer Verbreiterung der Bildungschancen der Bevölkerung beitragen. Der vollständige Projektbericht (mit Fotos) steht als pdf-Datei zur Verfügung. |
Programmpartner Leuphana Universität LüneburgUnter der Schirmherrschaft von Universitätspräsident Sascha Spoun führte Skillshare eine Reihe von Projekten in Kooperation mit der Leuphana Universität Lüneburg durch. Darunter fiel ein Pilotprojekt über methodologische Aspekte des wissenschaftlichen Umgangs mit webbasiertem Freien Wissen, ein Lehrauftrag zu Praxisperspektiven im Komplementärstudium und eine Veranstaltung in der Universitätsbibliothek zu Freien Inhalten und Open Access. Projekt - „Wissenschaftlicher Umgang mit Freiem Wissen" Seminar im Rahmen der Perspektive Praxis im Komplementärstudium In Kooperation mit Skillshare e.V. wurde, finanziert von der Leuphana Universität, ein Blockseminar innerhalb des Lüneburger Komplementärstudiums, ein fächerübergreifendes Pflichtcurriculum im Geiste eines studium generale, angeboten. Prof. Dr. Falko Willms führte dabei Studierende in Organisationstheorien ein und brachte ihnen anhand der modularen Teilveranstaltungen der Skillshare-Konferenz Grundlagen des Reviews von Projektorganisationen nahe. Freie Inhalte an der Universitätsbibliothek Programmpartner Handwerkskammer Braunschweig-Lüneburg-StadeSkillshare stand unter der Schirmherrschaft von Präsident Rolf Schneider und Hauptgeschäftsführer Norbert Bünten. Ein weiterer Themenpartner war somit die Handwerkskammer Braunschweig-Lüneburg-Stade, welche jeweils einen Foto- und einen Schreibwettbewerb ausschrieb. Von Seiten der Handwerkskammer war Udo Kaethner als Projektleiter in enger Zusammenarbeit in die Vorbereitungen zur Zusammenarbeit Ansprechpartner und stellte Hilfe im Rahmen der Organisation zur Verfügung. Die Handwerkskammer wurde zudem zu einem wichtigen Projektpartner, da im Rahmen der Kooperation zwischen der Konferenz und der Handwerkskam mer im Technologiezentrum der Handwerkskammer Übernachtungsmöglich keiten im eigenen Hause zur Verfügung gestellt wurden. Von Konferenzteilnehmern wurde am 3. und 4. Juni ehrenamtlich eine Schulung für Mitarbeiter ver schiedener Handwerks kammern aus ganz Deutschland durchgeführt. Die Mitarbeiter der Handwerkskam mern wurden in der Anwendung der Wiki-Software geschult sowie in Bezug auf die technischen und inhaltlichen Vor aussetzungen zur Erstellung von Inhalten mit Bezug zum Handwerk in der Wikipedia. Die Teilnehmer sollen als wichtige Multiplikatoren die technischen Fähigkeiten sowohl im internen HandwerksWiki sowie bei der Artikelarbeit in der Wikipedia weitergeben. Die Projekte rund um das Freie Wissen sind in verschiedenen Bereichen unterschiedlich stark ausgeprägt. Im Bereich der Themen rund um das Handwerk sollten auf diese Weise fachkompetente Autoren für die Arbeit am Freien Wissen interessiert werden und erste Erfahrungen in der technischen Nutzung der Wikiplattform sammeln. Die Handwerkskammer lobte Preise von jeweils 1.000,- EUR für insgesamt drei Kategorien aus. Gewonnen hat der Artikel „Frauen im Handwerk" (Kategorie 1) sowie „Erasmus für Jungunternehmer" (Kategorie 2). Teilnehmende Texte rankten sich um verschiedenste Bereiche im Handwerk und stehen alle unter einer Freien Lizenz. Aus dem Teilnehmerfeld des Fotowettbewerbs wurde aus Sicht der Jury kein Foto eingereicht, das die Voraussetzungen optimal umsetzte. Jurymitglieder des Wettbewerbs der Handwerkskammer Braunschweig-Lüneburg-Stade waren Martina Jahn, stellv. Chefredakteurin der Wirtschafts zeitung Norddeutsches Handwerk, Hans-Herbert Jenckel, Geschäftsführender Re dakteur der Landeszeitung für die Lüneburger Heide sowie Frank Ahlborn, Stabsabtei lungsleiter Wirtschaftspolitik, Handwerkskammer Braunschweig-Lüneburg-Stade.
Open Space KonferenzDie dreitägige Konferenz basierte im Wesentlichen auf dem Konzept des Open Space. Workshops und Vorträge mit externer Beteiligung, einerseits durch Dozenten, andererseits durch die Teilnehmer, fanden ausnahmsweise zu festen Zeitpunkten statt. Insgesamt wurden auf der Konferenz 42 Veranstaltungen angeboten. Unser Tagungsort war die Wilhelm-Raabe-Schule, eines der vielen traditionsreichen Gymnasien Lüneburgs. Parallel zur Konferenz wuchs der Artikel des Tagungsortes in der Wikipedia zu beachtlicher Größe und Qualität.
Erster Tag - Freitag, 4. Juni 2010Der Eröffnungstag umfasste 12 Veranstaltungen. Die Open-Space-Konferenz begann nach dem Einchecken der Teilnehmer am Freitag Mittag mit einer gemeinsamen Eröffnungsveranstaltung. Die Projektleiterin Nadine Stark eröffnete die Konferenz, Schirmherr Oberbürgermeister Mädge wurde durch den Kulturreferenten Jürgen Landmann vertreten, der die Konferenzteilnehmer von Seiten der Hansestadt Lüneburg willkommen hieß. Norbert Bünten - Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Braunschweig-Lüneburg-Stade – verlieh sodann im Rahmen dieser Eröffnungsveranstaltung unter Teilnahme der Schulleiterin der Wilhelm-Raabe-Schule, Frau Hartmann sowie der stellvertretenden Schulleiterin Frau Reichert und Pressevertretern die Preise im Rahmen des von der Handwerkskammer ausgelobten Schreib- und Fotowettbewerbs. Nach einer kurzen Vorstellung der bis dahin angekündigten Workshops und Vorträge durch die Dozenten, begannen die ersten Open-Space Veranstaltungen. Dabei wurden bis zu 6 Klassenräume des Tagungsortes parallel genutzt. In einem „Nachnutzerworkshop" wurden die Grundlagen einer lizenzkonformen Nachnutzung der Inhalte der Wikipedia und der Schwesterprojekte vermittelt. Hierzu wurde im Vorfeld der Veranstaltung ein Flyer erarbeitet und in unserer Gastgeber Stadt und während der Veranstaltung verteilt. (Flyer unter: skillshare.eu zum Download) Fragen und Kritik an der Benutzeroberfläche wurden anhand des Forschungsprojektes GoodGaze der Universität Osnabrück im Rahmen eines „Usability-Workshops" von Fabian Stelzer vorgestellt. Ein weiterer Workshop rankte sich um die Freiwilligenförderung und wurde als Gastworkshop von Wikimedia Deutschland – Gesellschaft zur Förderung Freien Wissens e.V. durchgeführt. Im Workshop „Virtuelle Teams" berichtete Henry Johns, Institut für interdisziplinäre Arbeitswissenschaft der Universität Hannover, von dem Forschungsstand zum Arbeiten in virtuellen Teams. Ein erster Workshop aus dem freiwilligen Projekt OpenStreetMap befasste sich mit einer Einführung in die Arbeit zur Erstellung von Kartenmaterial, die ähnlich den Texten in der Wikipedia unter einer freien Lizenz von ehrenamtlichen Projektmitarbeitern erstellt werden. Im Rahmen einer gemeinsamen Veranstaltung wurden die Teilnehmer von Jürgen Enkelmann, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Lüneburg für Stadt und Landkreis GmbH, begrüßt. Die Jurymitglieder Christof Steiner, Chefredakteur der Landeszeitung für die Lüneburger Heide, Medienpartner von Skillshare sowie Thomas Piehl, Vorstand der Sparkasse Lüneburg nahmen an der Veranstaltung teil. Thomas Piehl überreichte den Preis an den Sieger des Wettbewerbs „Made in Lüneburg" im Rahmen dieser Veranstaltung. Die Wirtschaftsförderung Lüneburg für Stadt und Landkreis lud die Konferenzteilnehmer im Anschluss zu einem Abendessen. Das Thema der „Fotografie für die Wikipedia" war Gegenstand des Workshops eines mehrfach mit der wikipediainternen Auszeichnung „Exzellentes Bild" bewerteten langjährigen Fotografen. Ferner fand unter Teilnahme von allen Administratoren erstmals seit ihrem Bestehen in der deutschsprachigen Zitatensammlung „Wikiquote" ein Projekttreffen statt. Alle Administratoren dieses Projektes waren bei Skillshare anwesend und konnten dieses Angebot daher nutzen. Am Freitagabend fand mit dem Workshop „Urheberrecht" ein erster „Blockbuster" der Konferenz statt. Rechtsanwalt Arne Trautmann sowie zwei langjährig in Fragen des Urheberrechts versierte ehrenamtliche Mitarbeiter der Wikipedia und ihrer Schwesterprojekte hielten gemeinsam eine Veranstaltung zu Fragen des Urheberrechts und befassten sich dabei u.a. mit der Schöpfungshöhe von Beiträgen und weiteren wichtigen urheberrechtlichen Fragen, die bei der täglichen Mitarbeit in Projekten rund um das Freie Wissen von Bedeutung sind. Der Freitagabend wurde in flexibler Zeiteinteilung zu spontanen Treffen genutzt, um bereits angesprochene Themen zu vertiefen und neue Programmpunkte zu entwickeln. Hinweis: Zum Programmplan verweisen wir auf den vollständigen Ablaufplan im Anhang dieses Berichtes.
Programmpartner Lüneburg Marketing GmbHAls Rahmenprogramm für die Konferenzteilnehmer sowie zur Einführung für Lüneburger Bürger in die Bilderdokumentation der Wikipedia unterstützten 15 Stadtführer der Lüneburg Marketing GmbH ehrenamtlich eine Fotorallye auf geschichtlich und kulturell relevanten Routen durch die Stadt. Die ca. 35 Teilnehmer wurden in fünf Gruppen durch die Stadt geführt und intensiv mit den historischen Hintergründen vertraut gemacht. Im Rahmen von Skillshare wurden so über 1400 Fotos für WikimediaCommons, einem Schwesterprojekt der Wikipedia zur internationalen Verwendung der Fotos in allen Sprachversionen erstellt. Um ausreichend Zeit für die Motivsuche der Fotografen einzuplanen, wurden die Teilnehmer in fünf unterschiedliche Tour 1 reichte vom Sternscher Hof, St. Johannis, Ratswassermühle sowie Wasserturm und Papenstraße; Tour 2 nahm das Rathaus von Außen, An der Münze, Apothekenstraße, Ratsapotheke, Zollstraße, Glockenhaus, Am Tour 3 begann am Heinrich Heine Haus und reichte über Ratsbücherei, Predigerwitwenhäuser, Reitende-Diener-Straße zur Stadtbefestigung; Tour 4 hatte als Thema das Senkungsgebiet, St. Michaelis, Strassensperre in der Techt, Kalkberg sowie die Saline von Außen; Tour 5 ging durch das Wasserviertel, St. Nicolai, Baumstrasse, Am Werder und Roter Hahn. Jeder Nachnutzer ist aufgrund der sog. Freien Lizenzen, unter denen die Bilder in WikiCommons online gestellt wurden, berechtigt, ohne weitere Lizenzgebühr die Fotos kostenlos zu nutzen. Einzige Bedingung ist dabei die Namensnennung des Urhebers sowie die Nennung der Lizenz. In einem Nachnutzer-Workshop „Nenne Name und Lizenz" für Pressevertreter sowie Download des Flyers: www.skillshare.eu/download Programmpartner Wirtschaftsförderung LüneburgDie Wirtschaftsförderung Lüneburg für Stadt und Landkreis GmbH mit ihrem Geschäftsführer Jürgen Enkelmann unterstützte die Konferenz nachhaltig. Neben einem Schreib- und Foto wettbewerb unter dem Titel „Made in Lüneburg" richtete die Wirtschaftsförderung Lüneburg GmbH auf der Konferenz eine Abendveranstaltung mit Verpflegung der Konferenz-Teilnehmer aus. In Lüneburg mittels modernster Lasertechnik eigens für diesen Anlass gefertigt, wurde eine Glasskulptur überreicht. Eingereichte Artikel befassten sich mit einem breiten Themenfeld, welches von Lüneburger Unternehmern wie Bobby de Key ser (ehem. Nationaltorwart Belgiens), über das Schiffshebewerk in Scharnebeck bis zu international agierenden Unternehmen wie der WERUM AG reichte. Im Schreibwettbewerb der Wirtschaftsförderung gewann der Text - „Best aus Lüneburg" im Kühlregal – über die Lüneburger Marke „Lünebest" den mit 2.000,- EUR dotierten Preis. Der Preisträger Johann H. Plambeck wurde in einer Abendveranstaltung der Konferenz Skillshare in der Aula Wilhelm-Raabe-Schule unter Teilnahme der Jury Mitglieder Christof Steiner, Chefredakteur der Landes zeitung für die Lüneburger Heide sowie Thomas Piehl, Vorstand der Sparkasse Lüneburg prämiert. Weitere Jurymitglieder waren Prof. Dr. Sabine Remdisch, Universität Leuphana, Jürgen Landmann, Kulturreferent der Hansestadt Lüneburg sowie Manfred Landmann, Landrat des Landkreises Lüneburg. Für den Fotowettbewerb organisierte die Wirtschaftsförderung Lüneburg GmbH eine Fototour zwischen dem Schiffshebewerk Scharnebeck, dem Flugha fengelände und dem Hafen Lüneburgs. Das beste Foto wurde mit einem Preisgeld von 500,- EUR prämiert. Die Jury entschied sich für ein Bild aus dem Lüneburger Hafen.
Zweiter Tag - Samstag, 5. Juni 2010Am zweiten Konferenztag fanden insgesamt 25 Veranstaltungen statt. Insbesondere bei Fotografen traf die Fotorallye auf starkes Interesse. Diese wurde in Zusammenarbeit mit der Stadtmarketing Lüneburg GmbH durch 15 professionelle Stadtführer ausgearbeitet. Aufgrund des ausgezeichneten Fotowetters konnten 1.400 Fotografien von Lüneburger Sehenswürdigkeiten für das Freie Wissen angefertigt werden. Am Nachmittag veranstaltete die Wirtschaftsförderung Lüneburg für Stadt und Landkreis GmbH eine Führung durch bedeutende Industriedenkmäler und -standorte. Mit Blick insbesondere auf Wikipedia-Anfänger aus Lüneburg wurde ein Workshop zu den ersten Schritten in der Internet-Enzyklopädie angeboten. An ein gänzlich anderes Publikum richteten sich die Workshops zur fortgeschrittenen Programmierung von Bots und zum Qualitätsmanagement, die das Programm am Samstag inhaltlich abrundeten. Mit Wikiversity, einem Lern- und Lehrportal und Open-StreetMap, einem Projekt für Freie Straßen- und Landkarten, stellten sich am Nachmittag zwei große Projekte des Freien Wissens abseits der Enzyklopädie vor und demonstrierten so die Breite der Bewegung. Der Samstag stand zudem im Zeichen des „Maschinenraums" der Online-Projekte. Verschiedene Workshops zu technischen Hilfsmitteln fanden am Nachmittag statt. In einem Seminar zum monobooks-Skin, einer weit verbreiteten Benutzeroberfläche auf Wikipedia, wurde erläutert, wie man dieses effizient personalisieren kann. Des Weiteren wurde der Toolserver, die Hardware zur Programmierung von Datenbankabfragen in der Wikipedia vorgestellt. Ein erster spontaner Workshop bildete sich um die Verwendung und Definition von Primär- und Sekundärliteratur heraus. Die richtige Arbeit mit Quellen und Belegen insbesondere in der Wikipedia wurde in einem weiteren Workshop behandelt. Schließlich wurde noch das Supportteam der Wikipedia im Hintergrund arbeitendes Gremium zur Beantwortung von E-Mails an die Wikipedia, vorgestellt. Insbesondere die Abende und Pausen der Konferenz wurden für weitere spontane Treffen in immer neuer Zusammensetzung genutzt. Am Samstag fanden zwei überdurchschnittlich besuchte Veranstaltungen statt: Ein Seminar zum Konfliktmanagement und ein soziologischer Vortrag zur Funktionsweise der Wikipedia. Seminare zum Konfliktmanagement Aufgrund der begrenzten Kommunikationsmöglichkeiten in der Online-Kommunikation, kommt es in Online-Projekten für free content häufig zu Konflikten, die sich teilweise sogar über Jahre hinweg fortsetzen können. Erschwert wird diese Situation in Online-Enzyklopädien durch die schiere Vielfalt der Themen und Standpunkte. So war es wenig verwunderlich, dass das Seminar eines professionellen Konfliktmediators der Mediationsstelle Brückenschlag trotz Dopplung mit jeweils 25 Teilnehmern überbelegt war und sich neben professioneller Betreuung auch reger Mitwirkung der Konferenzteilnehmer erfreute. Dabei wurden anhand konkreter Beispiele aus der Wikipediakommunikation die hierarchischen Stufen des Konfliktmodells nach Friedrich Glasl erläutert und angewandt. Unter Rückgriff auf u.a. Friedemann Schulz von Thuns Kommunikationsmodell wurden Wege zur konstruktiven Aufarbeitung von Konflikten aufgezeigt. Gleichzeitig wurde aber auch betont, dass Konflikte, die höhere Eskalationsstufen im Glaslschen Konfliktmodell erreicht haben, nur mehr durch professionelle, externe Mediation geschlichtet werden können. Einige der Teilnehmer haben dieses Wissen in der Folgezeit in der Wikipedia weiterverbreitet. Darüber hinaus half der face-to-face-Kontakt zwischen langjährigen Kontrahenten, die sich bisher nur online verständigt hatten, Vorurteile abzubauen und Konflikte jenseits der Sachebene zu vermeiden. Wikipedia aus spieltheoretischer Sicht Dritter Tag - Sonntag, 6. Juni 2010Der letzte Konferenztag beinhaltete acht Veranstaltungen. Skillshare-Schirmherr und Erster Chefredakteur von ARD-aktuell Dr. Kai Gniffke führte zusammen mit einer Wikipedianerin eine Medienkompetenzschulung für Lüneburger Schüler und Lehrer durch. Diese Veranstaltung steht als Video auf unserer Website www.skillshare.eu zur Verfügung. Abermals waren Technikthemen der Wikipedia auf der Agenda: Bots und der bereits erwähnte Toolserver standen dabei zum jeweils zweiten Mal im Mittelpunkt. Eine soziale Brücke innerhalb der Wikipedia-Gemeinschaft schlug ein Treffen zwischen dem Mentorenprogramm, eine Institution zur Integration neu dazugestoßener Wikipedia-Autoren, mit den so genannten Recent Changelern, eine Gruppe von aktiven Wikipedianern, die sich um die Bekämpfung der Einfügung offensichtlicher Falschinformationen und Werbung in die Wikipedia kümmert. Ein zweites ad-hoc-Seminar widmete sich einer weiteren Wikipedia-Institution, dem so genannten Schiedsgericht. Einer Gruppe aus zehn Wikipedianern, die sich um besonders knifflige Problemfälle und Konflikte in der Wikipedia kümmern. Das Skillshare-Programm wurde durch einen Vortrag zur Ethik im Umgang mit Biographien lebender Personen abgeschlossen. Daneben stellte sich das Projekt Wikisource, welches sich dem Digitalisieren gemeinfreier Texte widmet vor. Highlight des Tages war jedoch die Podiumsdiskussion zur Politik Freien Wissens. Podiumsdiskussion FinanzierungDie Finanzierung des Projektes Skillshare 2010 in Lüneburg basierte im Wesentlichen auf einer umfassenden lokalen Förderung durch Programmpartner und Sponsoren. Ferner brachte die Unterstützung des Projektes durch unsere Schirmherren und Förderer erhebliche Vergünstigungen mit sich, die es ermöglichten, das Projekt deutlich unter dem geplanten Finanzierungsbedarf durchzuführen. Von den gemeinnützigen Vereinen Wikimedia Deutschland, Wikimedia CH und Wikimedia Österreich wurden dem Projekt Geldspenden und/oder Fahrtkostenzuschüsse für die Teilnehmer zur Verfügung gestellt. Unser Tagungsort - die Wilhelm-Raabe-Schule Lüneburg - wurde uns zur Unterstützung der Konferenz basierend auf der Unterstützung durch unseren Schirmherren Oberbürgermeister Mädge kostenfrei von der Hansestadt Lüneburg zur Verfügung gestellt.
DanksagungMeinen herzlichen Dank möchte ich auch im Namen des Projektplanungsteams und des Vereins Skillshare e.V. allen Freunden, Förderern und Unterstützern der Konferenz Skillshare 2010 aussprechen. Diese Konferenz war nur aufgrund ihrer tatkräftigen Hilfe, Unterstützung, ihres Rates und auch ihrer kritischen und motivierenden Anregungen möglich. Die erheblichen Projektrisiken eines Projektes von dieser Größe mit einem offenen Finanzierungsaufwand konnten letztlich nur durch sie erfolgreich bearbeitet werden. Die Konferenz wurde komplett auf ehrenamtlicher Basis geplant und durchgeführt. Vielen Dank an die vielen ehrenamtlichen Helfer, die oft langfristig oder gar noch in letzter Minute eine helfende Hand zur Verfügung stellten. Vielen Dank für den Mut und den Spaß daran, sich auf dieses Pilotprojekt einzulassen.
Nadine Stark Projektleitung Skillshare 2010 Vorstand Skillshare e.V. Programmpartner Stadtarchiv LüneburgVon Seiten der Hansestadt Lüneburg übernahm Oberbürgermeister Ulrich Mädge die Schirmherrschaft über die Veranstaltung Skillshare. Am 4. Juni 2010 öffnete das Stadtarchiv Lüneburg unter der Leitung von Dr. Thomas Lux - Leiter des Stadtarchives und der Ratsbibliothek – mit Unterstützung des Kulturreferenten der Hansestadt Lüneburg, Herrn Jürgen Landmann - als Themenpartner von Skillshare seine Türen. Ein internationales Team ehrenamtlicher Mitarbeiter der Wikipedia sowie des Schwesterprojektes Wikimedia Commons digitalisierte über 300 Landkarten, Städteansichten und Skizzen, um sie einer breiten Öffentlichkeit unter einer Freien Lizenz zur Nachnutzung zur Verfügung zu stellen. Das Team ehrenamtlicher Helfer arbeitete mittels Digitalfotografie, hierfür wählte der Archivleiter einige Exponate seiner umfangreichen Sammlung aus. Neben Städteansichten von Lüneburg wurden Landkarten des Fürstentums Lüneburg, Grundrisspläne von älteren Lüneburger Gebäuden und technische Zeichnungen digitalisiert. Landkarten aus anderen Städten und Ländern wie Breslau in Schlesien und Frankreich sowie Florida und Louisiana, Lagepläne der Flüsse Elbe und Ilmenau und verschiedene alte Handschriften wurden in den Bestand von Wikimedia Commons aufgenommen. Dabei nutzten die Fotografen die Arbeit zum Austausch ihrer Fähigkeiten und Erfahrungen. Im Gespräch wurden die Schwachpunkte der Wikipedia sowie der Schwesterprojekte aus gutem Grunde konstruktiv kritisiert. In den Wissenschaften üblich ist die Nennung der Autoren am Text oder Bild, hier wurde in der Wikipedia und ihren Schwesterprojekten der Weg der sog. Versionsgeschichte gewählt, bei Bildern erlaubt erst der „Klick" auf das Bild Einsicht in die Urheberschaft zu nehmen. Einige Artikel in der Wikipedia sind bereits von einem Umfang, dass von einem enzyklopädischen Artikel kaum die Rede sein kann. Skillshare wurde auch an dieser Stelle zu einer Plattform für den Austausch an Fähigkeiten und Erfahrungen, die durch die Beteiligung externer Programmpartner den notwendigen auch kritischen Blick über den sprichwörtlichen Tellerrand gewährte. VereinFreies Wissen (engl. open content) umfasst Texte, Fotos und andere Medien, welche unter eine so genannte Freie Lizenz gestellt sind, die eine unentgeltliche Nachnutzung dieser Inhalte in anderem Kontext urheberrechtlich ermöglicht. Aufgrund der kostenlosen Nutzung und Nachnutzung des Freien Wissens soll der Zugang zur Bildung allen Menschen gleichermaßen zugute kommen. Autoren und Fotografen der Wikipedia und ihrer Schwesterprojekte hatten im Jahr 2009 die Projektidee einer Konferenz der ehrenamtlichen Mitarbeiter der Projekte rund um das Freie Wissen zu veranstalten. Auf der geplanten Konferenz sollten aus den Reihen der sog. Wikipedianer und anderer Projekte aus den unterschiedlichsten Arbeitsbereichen der Online-Projekte ihre Fähigkeiten und Kenntnisse an andere Ehrenamtliche weitergeben und so das vorhandene Wissen innerhalb der Projekte vertiefen, sammeln und weitertragen. Ferner sollte es zu einem persönlichen und fachlichen Austausch der bereits in einem spezifischen Bereich tätigen Ehrenamtlichen kommen, um die aktuellen fachlichen Fragestellungen, Herausforderungen und Interessensgebiete in den Onlineprojekten gemeinsam zu bearbeiten. Die geplante Größe einer solchen Veranstaltung und der Anspruch, die Teilnahme an der Konferenz für die ehrenamtlichen Autoren und Fotografen der Online-Projekte ohne Konferenzgebühren durch Spenden zu finanzieren, machte bald die Grenzen ehrenamtlichen Projektmanagements und privater Haftung für derartige Veranstaltungen deutlich. Mit dem Verein Skillshare e.V. (engl. Teilen von Fähigkeiten) wurde daher im August 2009 zur Vorbereitung der geplanten Pilotkonferenz ein Verein gegründet, der ehrenamtlichen Mitarbeitern der verschiedenen Projekte rund um das freie Wissen eine Plattform zum Austausch und Weitergeben von Fähigkeiten bietet. Über Veranstaltungsausschüsse ist die Teilhabe am Skillshare-Konzept unter Nutzung der Vereinsinfrastruktur und der Erfahrungen jedem möglich, der mittels einer Veranstaltungsidee die Sammlung, Erstellung und Verbreitung Freien Wissens fördern will. Ziel des als gemeinnützig zur Förderung der Bildung anerkannten Vereins Skillshare e.V. ist die Förderung der Bildung durch Unterstützung der Erstellung, Sammlung und Verbreitung so genannten freien Wissens, insbesondere durch die Planung und Durchführung von Schulungs- und Weiterbildungsmaßnahmen. Nach der erfolgreichen Pilot-Konferenz Skillshare 2010 stehen weitere Projekte in der Planung. Näheres zum Verein, seinen Verantwortliche sowie zu den Vereinsveranstaltungen, Zielen und Aufgaben finden sie auf unserer Website www.skillshare.eu. SchirmherrenDas Projekt Skillshare wurde aus allen Teilen der Gesellschaft durch Schirmherren unterstützt.
Edelgard Bulmahn, Bundesbildungsministerin a.D., MdB (SPD) Ralf Casper, TV-Moderator der Sendung „Wissen macht Ah!", Drehbuchautor Ulrich Mädge ,Oberbürgermeister Hansestadt Lüneburg Dr. Kai Gniffke, Erster Chefredakteur ARD-aktuell Prof. Dr. Sascha Spoun, Präsident der Leuphana Universität Lüneburg Präsident Rolf Schneider und Hauptgeschäftsführer Norbert Bünten, Handwerkskammer Braunschweig-Lüneburg-Stade Open Space – Das KonzeptBasis der Konferenz war das sog. community building (dt. Identitätsbildung der Gemeinschaft) zwischen den vielen Freiwilligen der Projekte um das freie Wissen. Dabei wurde neben der Wikipedia (Freie Enzyklopädie), dem wohl bekanntesten Projekt mit dem Ziel der Sammlung und Erstellung von Freiem Wissen, an Projekten wie OpenStreetMap (Freies Kartenmaterial), Wikimedia Commons (Freie Mediendatensammlung für Audio, Video und Bilddateien) oder Wikiquote (Freie Zitatensammlung) gearbeitet. Das Konzept des open space, bei dem erst während der Veranstaltung durch die Teilnehmer der genaue Zeitplan erarbeitet wird, erwies sich dabei als besonders erfolgreich. Den Teilnehmern wurde eine Vielzahl von Räumen parallel zur Verfügung gestellt, in denen sich bereits vor und auch während der Veranstaltung aus der Reihe der Teilnehmer Dozenten fanden, um ihre Fähigkeiten und Erfahrungen aus langjähriger ehrenamtlicher Mitarbeit in den Projekten rund um das Freie Wissen mit den anderen Teilnehmern zu teilen. Die Fülle der angebotenen Workshops zeigte dabei ein umfassendes Bild dieser Freiwilligenarbeit, die von der Programmierung so genannter Bots (Algorithmen, die automatisch kleine Routineänderungen an Projekten vornehmen und so die menschlichen Helfer effizient unterstützen), Fotoworkshops, Urheberrechtsschulung über Konfliktbewältigung in Online-Projekten bis hin zu soziologischer Kritik am Wikimodell reichte.
LinksProjektbericht Fundort von 300 Landkarten aus dem Stadtarchiv der Hansestadt Lüneburg Podiumsdiskussion Sponsoren LizenzenAlle Texte dieses Berichtes stehen unter cc-by-sa 3.0. Eine Weiternutzung des Textes ist daher unter den Bedingungen: Wir weisen ausdrücklich darauf hin, dass die Bilder in diesem Bericht unter anderen Lizenzbedingungen stehen können. Inhaltlich verantwortlich
Berichterstattung in den MedienNeben einer ausführlichen Berichterstattung mit über 10 Artikeln in der Landeszeitung Lüneburg berichteten u.a. folgende WDR-Online Hamburger Abendblatt Telepolis Radio ZuSa Persönliche BekanntschaftungenIm Rahmen von Skillshare wurden durch die Teilnehmer während und anschließend über 2200 Persönliche Bekanntschaften
(http://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:PB) bestätigt. Dies bedeutete den größten Einzelanstieg seit Beginn im Februar 2008. Kleine Statistik30 (teils Spontan-)Referenten |




